Auf einen Blick
Unsicher nach langem Leerstand? Wir vermitteln einen geprüften Sanitär-Innungsbetrieb in Ihrer Region.
Vier Stillstands-Stufen entscheiden über die Maßnahmen: ≤ 7 Tage Spülen, 7 Tage – 4 Wochen W-557-Spülung, 4 Wochen – 6 Monate plus mikrobiologische Probe, > 6 Monate plus Netztrennung.
DVGW W 557 ist die zentrale Norm: Spülgeschwindigkeit ≥ 2 m/s.
Mikrobiologische Probe ab ca. 60 € (Grundpaket), ab 90 € mit Legionellen.
Kosten Reaktivierung MFH-Wohnung Stand Mai 2026: typisch 500–1.500 €.
Wer darf: ab Stufe 2 nur ein eingetragener SHK-Fachbetrieb.
### Was muss ich nach langem Leerstand mit der Wasserinstallation tun?
| Stufe | Stillstand | Maßnahme |
|---|---|---|
| 1 | ≤ 7 Tage | ausgiebiges Spülen aller Auslässe |
| 2 | 7 Tage – 4 Wochen | Spülen nach DVGW W 557 (≥ 2 m/s) |
| 3 | 4 Wochen – 6 Monate | + mikrobiologische Probe |
| 4 | > 6 Monate | + Trennung vom Versorgernetz, Druckprüfung |
Wer ein Haus oder eine Wohnung mehrere Wochen oder Monate leer stehen lässt, hat nach Wiederbezug ein Hygiene-Problem — und ein Norm-Problem. Hygiene, weil Biofilme und Schwermetalle in stagnierendem Wasser wachsen; Norm, weil die DVGW im Arbeitsblatt W 557 klare Stufen für die Wiederinbetriebnahme festgelegt hat. Dieser Ratgeber sortiert die vier Stillstands-Stufen (7 Tage / 4 Wochen / 6 Monate / 6+ Monate) mit jeweils konkretem Maßnahmenpaket, gibt Ihnen die DVGW-W-557-Anforderungen verständlich, und nennt typische Kosten Stand Mai 2026. So wissen Sie, ob ein Spülen reicht, wann eine Probe Pflichtempfehlung ist, und ab wann Sie eine Trennung vom Versorgernetz brauchen. Eine Gesamtsicht aller Trinkwasser-und-Hygiene-Themen finden Sie auf unserer Cluster-Hub-Seite. Stand: Mai 2026.
Warum lange Stagnation kritisch ist
Stehendes Wasser in der Hausinstallation ist mehrfach problematisch.
Mikrobiologisch: In der Versorgerleitung befinden sich in geringer Zahl Mikroorganismen, die als Biofilm an Rohrinnenwänden haften. Bei längerem Stillstand in lauwarmem Wasser (25–50 °C) vermehren sie sich — Legionellen wachsen in genau diesem Temperaturbereich optimal. Aus einem hygienisch unauffälligen Versorgerwasser kann nach Wochen ein belastetes Hausnetzwasser werden.
Materialwanderung: Aus den Leitungen diffundieren bei langer Stagnation verstärkt Schwermetalle (Blei, Kupfer, Nickel) ins Wasser — in Altbauten ein Risiko, in jüngeren Häusern weniger, aber nicht null. Die ersten Liter nach Wiederinbetriebnahme können erhöhte Werte enthalten.
Korrosion und Geräte: In Kupfer- und Verbundleitungen bilden sich Korrosionsschichten, die nach Wiederinbetriebnahme als Trübungen oder Partikel ausgespült werden. Im Warmwasserspeicher können Heizstäbe verkalken oder mikrobiell besiedelt werden — ein Auslöser für spätere Legionellen-Probleme.
Vier Stillstands-Stufen und ihre Maßnahmen
Die folgende Stufenlogik orientiert sich an den DVGW-Empfehlungen und ist die Grundlage jeder professionellen Reaktivierung.
Stufe | Stillstandsdauer | Pflichtmaßnahme | typische Kosten |
|---|---|---|---|
1 | ≤ 7 Tage | ausgiebiges Spülen aller Auslässe in Eigenregie | 0 € (Zeit) |
2 | 7 Tage – 4 Wochen | DVGW-W-557-Spülung durch Fachbetrieb (≥ 2 m/s) | 300–800 € |
3 | 4 Wochen – 6 Monate | W-557-Spülung + mikrobiologische Probe | 400–1.000 € |
4 | > 6 Monate | Trennung vom Versorgernetz, Druckprüfung, Spülung, Probe | 1.000–1.500 € |
Stufe 1
Die Routine nach kurzem Urlaub oder Wochenende — fünf Minuten kalt parallel an allen Hähnen, danach warm an jedem Hahn bis konstant heiß, Toilette dreimal spülen. Die ausführliche Anleitung lesen Sie unter Stagnationswasser nach Urlaub — sicheres Spülen.
Stufe 2
Ab einer Woche Stillstand reicht das händische Spülen nicht mehr aus. Die DVGW-Norm W 557 fordert eine definierte Strömungsgeschwindigkeit von mindestens 2 m/s im größten Rohrquerschnitt — das erreicht ein Eigentümer mit aufgedrehten Hähnen typischerweise nicht. Ein SHK-Fachbetrieb spült mit professionellem Equipment.
Stufe 3
Ab vier Wochen Stillstand kommt eine mikrobiologische Probe dazu — Pflichtempfehlung der DVGW. Das Labor prüft auf E. coli, coliforme Keime und Gesamtkeimzahl, bei Aerosol-Risiko (Dusche) zusätzlich auf Legionellen.
Stufe 4
Bei mehr als sechs Monaten Stillstand verlangen die Regelwerke eine Trennung vom Versorgernetz — entweder durch physische Demontage oder durch eine zertifizierte Trennstation. Vor Wiederanschluss erfolgen Druckprüfung, Spülung und mikrobiologische Probe.
Der Sonderfall einer Bauphase nach Sanierung ist auch ohne Personen-Stillstand kritisch: nach Sanitärumbau und mehrwöchiger Bauphase ist eine W-557-Spülung plus Probe zwingend, weil Bauschutt und Hilfsstoffe in das Netz gelangt sein können.
Wir ordnen Ihre Stillstands-Stufe ein und vermitteln Ihnen den passenden SHK-Fachbetrieb → Einordnung anfragen.
DVGW W 557: Was die Spül-Norm fordert
Das DVGW-Arbeitsblatt W 557 ist die zentrale Norm für die Reinigung, Spülung und Wiederinbetriebnahme von Trinkwasser-Installationen. Drei Punkte stehen im Mittelpunkt.
Volumenstrom und Geschwindigkeit
W 557 verlangt eine Strömungsgeschwindigkeit von mindestens 2 m/s im größten Rohrquerschnitt. Das ist die Schwelle, ab der sich Biofilm und Sedimentablagerungen mechanisch von der Rohrinnenwand lösen. Mit einer normalen Wasserentnahme an einem einzelnen Hahn erreicht man diese Geschwindigkeit nicht — daher das Spül-Equipment des Fachbetriebs.
Wasser-Luft-Spülen
Über die reine Wasserspülung hinaus erlaubt W 557 ein Spülen mit Wasser-Luft-Gemisch. Dabei werden gezielt Luftpulse in den Wasserstrom eingebracht; die Turbulenzen lösen Biofilme deutlich effektiver als eine laminare Strömung. Dieses Verfahren ist vor allem bei langem Stillstand und in Gebäuden mit großen Rohrquerschnitten Standard.
Dokumentation
Der ausführende Fachbetrieb erstellt ein Spülprotokoll — mit Datum, Volumenstrom, behandelten Auslassstellen und beobachteten Befunden (Trübung, Geruch). Dieses Protokoll ist Ihr Beleg gegenüber Versorger, Versicherung oder Käufer der Immobilie.
Reaktivierungs-Spülung Schritt für Schritt
Die folgende Schritt-Anleitung beschreibt den Eigenanteil bei Stufe 1; ab Stufe 2 folgt der Fachbetrieb dem gleichen Grundmuster mit professionellem Equipment.
Vorbereitung
Schließen Sie zunächst den Hauptabsperrhahn und öffnen Sie alle Auslässe (Bad, Küche, Garten, Hauswirtschaftsraum). Dann öffnen Sie den Hauptabsperrhahn langsam — das schont Armaturen und vermeidet Druckspitzen, die Verbindungen aus der Stillstandsphase belasten könnten.
Reihenfolge
Kaltwasser-Auslässe parallel öffnen und mindestens 5 Minuten laufen lassen, bis das Wasser klar und fühlbar konstant kalt fließt.
Warmwasser an jeder Stelle aufdrehen, bis das Wasser konstant heiß läuft (mindestens 60 °C). Achten Sie auf selten genutzte Auslässe wie Garten-Außenhahn oder Hauswirtschaftsraum.
Toilettenspülung dreimal vollständig betätigen.
Endkontrolle
Prüfen Sie an jedem Auslass: Wasser klar, Temperatur konstant, kein auffälliger Geruch oder Geschmack. Wenn Trübungen oder ungewöhnliche Gerüche bleiben, brechen Sie ab und beauftragen einen Fachbetrieb — Stufe 2 ist dann erreicht.
Wann eine mikrobiologische Probe Pflicht wird
Ab einer Stillstandsdauer von vier Wochen ist eine Probe Pflichtempfehlung der DVGW. Vier Punkte zur Beauftragung:
Akkreditiertes Labor: nach DIN EN ISO/IEC 17025 zertifiziert (DAkkS-Eintrag prüfbar).
Parameter: mindestens E. coli, coliforme Keime, Gesamtkeimzahl; bei Aerosol-Risiko (Dusche, Whirlpool) zusätzlich Legionellen.
Kosten Stand Mai 2026: ab ca. 60 € für die mikrobiologische Basisprüfung, ab 90 € mit Legionellen-Modul, ab 100–150 € mit Schwermetallprofil.
Befund über Grenzwert: Spülung wiederholen oder thermische Desinfektion durch Fachfirma; bei Legionellen-Überschreitung über 100 KBE/100 ml weitere Maßnahmen nach DVGW W 551.
Den Beauftragungsablauf und die vier Prüfstufen lesen Sie ausführlich unter Trinkwasserprüfung beauftragen — Ablauf und Kosten. Die Risikologik hinter Legionellen finden Sie unter Legionellen — Risiko, Symptome, Prüfintervalle.
Akkreditiertes Labor für mikrobiologische Probe — wir vermitteln Ihnen einen Anbieter in Ihrer Region → Labor anfragen.
Trennung vom Versorgernetz bei mehr als 6 Monaten
Bei einem Stillstand von mehr als sechs Monaten reicht eine reine Spülung nicht mehr — die DVGW empfiehlt eine physikalische Trennung vom Versorgernetz, weil das Risiko einer Rückverkeimung aus dem Hausnetz in die öffentliche Leitung zu hoch wird.
Trennstation
Eingesetzt wird typischerweise eine Systemtrennstation (BA oder GA) nach DIN EN 1717 — eine zertifizierte Armatur, die ein Zurückfließen aus der Hausinstallation ins Versorgernetz auch unter Druckveränderungen sicher ausschließt. Alternativ kann die Hausinstallation physisch demontiert werden, was bei längeren Leerständen vor Sanierung Standard ist.
Wiederanschluss-Verfahren
Vor dem Wiederanschluss erfolgen drei Schritte: Druckprüfung der Installation (auf Dichtigkeit), Spülung nach W 557 mit definiertem Volumenstrom und mikrobiologische Probe als Abschlussnachweis. Die Wiederinbetriebnahme ist beim Versorger formell anzuzeigen; ohne Anzeige droht im Extremfall eine Sperrung der Versorgung.
Wer darf reaktivieren? Kosten und Beauftragung
Wer darf die Reaktivierung durchführen?
Die Reaktivierung ab Stufe 2 ist Arbeit an der Trinkwasserinstallation und damit ausschließlich eingetragenen SHK-Fachbetrieben vorbehalten, die im Installateurverzeichnis des regionalen Wasserversorgers gelistet sind. Eigentümer in Eigenregie sind auf Stufe 1 begrenzt. Proben nehmen akkreditierte Labore oder zertifizierte Probenehmer.
Kosten
Leistung | Preis-Range Mai 2026 | Anbieter |
|---|---|---|
W-557-Spülung (Wohnung/Wohnhaus) | 300–800 € | eingetragener SHK-Fachbetrieb |
Mikrobiologische Probe (Eigenpaket) | 60–90 € | akkreditiertes Labor |
Schwermetallprofil zusätzlich | + 100–150 € | akkreditiertes Labor |
Trennstation (BA/GA) Material + Installation | 200–800 € | SHK-Fachbetrieb |
Druckprüfung der Installation | 100–250 € | SHK-Fachbetrieb |
Komplettpaket Reaktivierung MFH-Wohnung | 500–1.500 € | SHK-Koordination |
Die Terminbearbeitung dauert pro Wohnung typischerweise einen halben bis einen vollen Arbeitstag. Bei mehreren Einheiten in einem Mehrfamilienhaus lassen sich die Spülarbeiten koordinieren und Skaleneffekte realisieren.
Häufige Fragen zur Reaktivierung der Wasserinstallation
Wie lange darf eine Wasserinstallation leer stehen?
Die DVGW unterscheidet vier Stufen: bis 7 Tage reicht ausgiebiges Spülen aller Auslässe; 7 Tage bis 4 Wochen Spülung nach DVGW W 557 mit ≥ 2 m/s; 4 Wochen bis 6 Monate zusätzlich mikrobiologische Probe; über 6 Monate Trennung vom Versorgernetz und vor Wiederanschluss Druckprüfung sowie Probe. Die Stufen gelten unabhängig davon, ob Wohnung oder Haus betroffen ist. (Stand: Mai 2026)
Was ist DVGW W 557?
Das Arbeitsblatt W 557 des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) regelt die Reinigung, Spülung und Wiederinbetriebnahme von Trinkwasser-Installationen. Es schreibt unter anderem eine Spülgeschwindigkeit von mindestens 2 m/s im größten Rohrquerschnitt vor und unterscheidet Spülverfahren mit reinem Wasser und Wasser-Luft-Gemisch. Es ist die zentrale Norm für Reaktivierungen nach Stillstand. (Stand: Mai 2026)
Wann brauche ich eine mikrobiologische Probe?
Bei einer Stillstandsdauer ab vier Wochen empfiehlt die DVGW eine mikrobiologische Probe nach der Reaktivierungs-Spülung. Geprüft werden mindestens E. coli, coliforme Keime und Gesamtkeimzahl; bei vorhandener Dusche oder Whirlpool zusätzlich Legionellen. Die Probe sollte an einem nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditierten Labor erfolgen. Kosten ab ca. 60 €. (Stand: Mai 2026)
Was kostet die Reaktivierung einer Trinkwasserinstallation?
Stand Mai 2026 bewegen sich die Kosten typisch zwischen 500 € und 1.500 € für eine Mehrfamilienhaus-Wohnung. Die W-557-Spülung kostet 300–800 € je nach Wohnungsgröße; eine mikrobiologische Probe 60–150 €; eine zertifizierte Trennstation 200–500 € Material plus Installation. Bei längeren Leerständen (> 6 Monate) zusätzlich Druckprüfung. Die Beauftragung erfolgt durch einen eingetragenen SHK-Fachbetrieb. (Stand: Mai 2026)
Wer darf eine Wasserinstallation reaktivieren?
Eine W-557-konforme Spülung darf nur ein eingetragener SHK-Fachbetrieb durchführen, der im Installateurverzeichnis des regionalen Wasserversorgers gelistet ist. Mikrobiologische Proben nehmen akkreditierte Labore oder zertifizierte Probenehmer. Eigenleistungen (Eigentümer schließt selbst Hauptabsperrhahn auf und spült) sind bei Stufe 1 (≤ 7 Tage) zulässig, ab Stufe 2 nicht mehr empfohlen. (Stand: Mai 2026)
Fazit
Reaktivierung ist kein Feld für Eigenregie ab Stufe 2 — die DVGW W 557 verlangt definierte Volumenströme, die ein Eigentümer mit dem Schlauch im Garten nicht erreicht. Wer korrekt vorgeht, sortiert seinen Fall in eine der vier Stillstands-Stufen und beauftragt entsprechend: Stufe 1 (Eigenspülung), Stufe 2 (SHK-Fachbetrieb mit W-557-Spülung), Stufe 3 (zusätzlich akkreditiertes Labor), Stufe 4 (Trennstation und Druckprüfung und Probe). Die Kosten von 500–1.500 € pro MFH-Wohnung sind im Vergleich zu einem Hygiene-Schaden mit Erkrankungsrisiko und folgenden Sanierungskosten gering — und sie sind eine sinnvolle Investition in die Folgenutzung. Wenn Sie nur 14 Tage weg waren, wechseln Sie zum Schwester-Artikel Stagnationswasser nach Urlaub — dort reicht die kurze Routine. Bei Verdacht auf Bleirohre vor Reaktivierung Probe nach Trinkwasserprüfung beauftragen.
Saisonobjekt oder Erbobjekt reaktivieren? Wir koordinieren W-557-Spülung, Probe und ggf. Trennstation in einem Termin. → SHK-Fachbetrieb anfragen
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Quellen
[1] DVGW: Arbeitsblatt W 557 / TWIN-Hinweis Stagnation und Wiederinbetriebnahme (März 2024) · dvgw.de · abgerufen 8. Mai 2026.
[2] VDI: Trinkwasser-Hygiene bei längerem Leerstand · vdi.de · abgerufen 8. Mai 2026.
[3] Umweltbundesamt: Trinkwasser-Installation · umweltbundesamt.de · abgerufen 8. Mai 2026.
[4] Verbraucherzentrale: Trinkwasserhygiene · verbraucherzentrale.de · abgerufen 8. Mai 2026.
[5] Trinkwasserverordnung i. d. F. vom 24.06.2023 · gesetze-im-internet.de/trinkwv_2023 · abgerufen 8. Mai 2026.
Kurz eingeordnet: Das DVGW-Arbeitsblatt W 557 ist der anerkannte Standard für die Reaktivierung nach Leerstand. Wer sich an den DVGW-Weg hält, dokumentiert jeden Schritt sauber und ist rechtlich auf der sicheren Seite — auch Versicherer akzeptieren das DVGW-Vorgehen als Nachweis.

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